Dr. Tobias Vahlpahl
Kategorie: Öffentliche Verwaltung
Projektleiter am Ethno-Medizinischen Zentrum e. V.

Dr. Tobias Vahlpahl

Seit 2016 leite ich eine Niederlassung des Ethno-medizinischen Zentrum e.V. in Mannheim. Hier bilden wir interkulturelle Gesundheits- und GewaltpräventionsmediatorInnen aus, die in der Folge muttersprachliche Informationsveranstaltungen durchführen. Gleichzeitig arbeite ich als Projektleiter an der Universität Heidelberg in der Abteilung Wissenschaftliche Weiterbildung.

Aus welchen Gründen haben Sie sich zu einem Soziologie-Studium entschlossen?

Das war ein bisschen Zufall. Die ZVS wollte damals nicht, dass ich Psychologie studiere und die Soziologie schien da naheliegend. Im Ergebnis hat sich das als ein Glücksfall erwiesen, mit dem ich sehr glücklich bin.

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Wo haben Sie studiert, welche Praktika haben Sie absolviert und wo arbeiten Sie heute?

In Heidelberg sowohl studiert, als auch promoviert. Wenn man so will habe ich genau das gemacht, was man heute keinem Studierenden mehr empfehlen würde. An einem Ort bleiben, kein Auslandssemester, und auch keinen Studienplatzwechsel.

Praktikum nur eines bei einer Personalberatung. Hier wurde mir sehr schnell klar, dass ich mit dieser Welt nur bedingt etwas anfangen konnte. Heute arbeite ich in der zentralen Univerwaltung und in einem Integrationsprojekt

Was ist das Ethno-Medizinische Zentrum und was sind Ihre Aufgaben als Projektleiter?

Das Ethno-Medizinische Zentrum e. V. (EMZ) ist eine gemeinnützige Einrichtung, deren Ziele die interkulturelle Gesundheitsförderung und die "gesunde Integration" von Migrantinnen und Migranten in Deutschland sind. Seit 1989 setzt sich das Zentrum mit verschiedenen Projekten für die Teilhabe und Chancengleichheit von Migranten bei der Nutzung der Angebote des Gesundheitssystems ein.

Die Arbeit des Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. wird gefördert von der Bundesbeauftragten für Flüchtlinge und Integration, dem Bundesgesundheitsministerium, der Europäischen Union sowie weiteren großen Förderern. Ausgezeichnet wurde die Arbeit unter anderem mit dem European Health Award.

Im Projektzentrum MiMi-Delta in Mannheim werden Projekte wie das MiMi-Projekt des Ethno-Medizinischen Zentrums e.V. aus Hannover weiter entwickelt und durchgeführt. Vor allem werden MigrantInnen geschult, zu verschiedenen Gesundheitsthemen, sowie zum Thema Gewaltprävention muttersprachliche Informationsveranstaltungen durchzuführen.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der inneren und äußeren Organisationsentwicklung. Nach innen verantworte ich alle Strukturen und Methoden, die wir in Mannheim verwenden. Dazu gehört der Aufbau einer eigenen Cloudlösung, der Betrieb einer Webseite, ein Online-Befragungstool, ein E-learning System. Nach außen betreibe ich den Aufbau und die Pflege des Netzwerkes der Organisation. Hier sind relevante Stakeholder einerseits in anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, der öffentlichen Sektor, sowie “breite” Öffentlichkeitsarbeit. Ich nehme an einschlägigen Gremien teil, wie dem Migrationsforum der Stadt Mannheim, oder dem AK Asyl in Neustadt an der Weinstraße.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit am EMZ von der Arbeit an der Uni Heidelberg?

Das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Naja, oder vielleicht doch ein bisschen. In Heidelberg bin ich mit Weiterbildungsprogrammen befasst, die sich auf die berufsbegleitende Weiterqualifikation von Menschen richten. Außerdem beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Fragen der Digitalisierung von Lehrangeboten und der Hochschuldidaktik.

Das kommt mir innerhalb des MiMi-Projektes auch zu gute. Denn auch hier geht es um (Weiter-) Qualifikation. Wenngleich im MiMi-Projekt ein weit über die individuelle Weiterbildung hinausgehendes Themenspektrum angesprochen wird. Hier stehen z.B. Aspekte des Empowerment, der Integration und der verbesserung der allgemeinen Lebenssituation von MigrantInnen im Vordergrund.

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Hat Sie Ihr Studium ausreichend auf den Job vorbereitet oder mussten Sie sich viel Wissen zusätzlich aneignen? 

Das Soziologiestudium vermittelt weniger direkt berufspraktische Fähigkeiten und Kompetenzen, als Metaqualifikationen. Also analytische Fähigkeiten und den Blick für Strukturen. Das ist extrem hilfreich. Natürlich kommen dann spezifische Kenntnisse im jeweiligen Tätigkeitsbereich hinzu. Diese können aber leichter eingeordnet werden, wenn man einen guten Blick z.B. für Organisationsstrukturen und -Abläufe hat. Meiner Meinung nach ist man als SoziologIn für sehr viele Bereiche gut gerüstet, auch wenn man sich in die Details erst einarbeiten muss.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job? Wo liegen die Schwierigkeiten?

Die projektförmige Organisation bietet wenig Sicherheit auf längere Sicht. Das macht zivilgesellschaftliche Organisationen so verletzlich. Eine der größten Herausforderungen ist also, die Stabilisierung des Projektes über den Zeitverlauf. Hierzu bedarf es mehr als nur gute Umsetzung. Es ist viel Vertrauensaufbau mit potenziellen Förderern, viele Gespräche mit Unterstützern und generell Eigeninitiative gefordert, um die Organisation nach außen sichtbar zu machen.

Auch finde ich persönlich die vielen kleinen und großen Moderationsaufgaben sehr spannend. Nicht nur, im Rahmen der Schulungen vor einer großen und heterogenen Gruppe zu stehen, sondern auch und vor allem mit interkulturellen (Konflikt-) Situationen umzugehen ist eine Herausforderung. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut?

Die Arbeit ist sehr vielfältig und in sehr vielen Aspekten erfüllend. Zu sehen, wie sich Menschen entwickeln, ist eine wunderbare Bestätigung der eigenen Bemühungen. Hierbei nehme ich oft die Rolle eines Katalysators ein, der indirekt an einer entwicklung beteiligt ist, die aber im Wesentlichen ohne ihn passiert. 

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Den gibt es nicht ;-)

Wieso sind Sie als Soziologe so gut für den Job geeignet?

S.o. wegen der Fähigkeit, in Strukturen zu denken; von der konkreten Situation zu abstrahieren; sich in ganz unterschiedliche Felder hineinzudenken.
Aber auch, unterschiedliche kulturelle Brillen aufsetzen und verstehen zu können ist sehr hilfreich. Die Soziologie als analytische Wissenschaft hilft einem sehr dabei, erst einmal von der eigenen Wertgeladenheit abzusehen und zu fragen, wie die Konstellation zwischen Akteuren genau aussieht.

Dann kann man leichter verstehen, warum die eine Gruppe vielleicht etwas richtig oder falsch findet und eine andere den gleichen Sachverhalt genau spiegelbildlich bewertet. Die Modelle, die wir im Studium kennenlernen (Webers verstehende Soziologie, oder auch Institutionentheorien nach M. Rainer Lepsius) sind für mich nach wie vor wichtige Orientierungen für das Verständnis der Welt.

Was empfehlen Sie Studierenden, die sich für einen Job in der Projektleitung interessieren?

Interessen entwickeln. herausfinden, was ihnen gefällt und wofür sie wirklich brennen. Die Arbeit in zivilgesellschaftlichen Organisationen ist nicht leicht, oft nicht gut bezahlt, unsicher und man wird oft auch mal zurückgeworfen. Dann muss man das Thema wenigstens wirklich vertreten können.

Vielen Dank für das Gespräch!
 

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Veröffentlicht am: 02. Mai 2019